Vitalzeichen: Übersicht

Körpertemperatur Fieber Fiebertypen
Temperaturen bei rektaler Messung Pflege bei Fieber Wadenwickel (bei hohem Fieber)
Fiebermessen Bewusstsein

 

 

Körpertemperatur

Menschliches Leben braucht Wärme. Das Temperaturempfinden hat für den Menschen eine große Bedeutung. Körperliche, seelische und soziale Aspekte stehen im Zusammenhang mit dem Empfinden und Wahrnehmen von Kälte und Wärme und der Temperaturregulation. Es ist eine lebenswichtige Vorraussetzung, dass die Körperkerntemperatur von ca. 37°C relativ konstant gehalten werden kann.

 

Einflussfaktoren auf die Körpertemperatur:

Die Körpertemperatur wird durch das Gehirn (Hypothalamus) reguliert. Bei alten Menschen kann die Regulationsfähigkeit nachlassen. Die Regulationsfähigkeit kann auch bei jungen Menschen krankheitsbedingt gestört sein. Alte Menschen oder Menschen mit Behinderung haben häufig ein vermindertes Temperaturempfinden. Es besteht immer die Gefahr einer leichten Unterkühlung, die oft nicht bemerkt wird. Das heißt, die Körperkerntemperatur kühlt auf unter 35,5 Grad ab. Regelmäßige Temperaturkontrollen und das Achten auf angemessene Kleidung sind daher wichtig.

 

Fieber

 

 
 
Typischer Verlauf von Fieber. Die grüne Linie zeigt den Sollwert, die rote die tatsächliche Kerntemperatur.
 
 
 
Fiebertypen
 

   Kontinuierliches Fieber: Temperatur gleichbleibend hoch, Schwankung 1°C, z. B. bei Typhus abdominalis, Viruspneumonien

   Remittierendes Fieber: Temperatur abends höher als morgens, Schwankung unter 1,5°C, z. B. bei Tbc, Sepsis

   Intermittierendes Fieber: Wechsel von hohen Temperaturen mit fieberfreien Intervallen, Schwankung über 1,5°C, z. B. bei Sepsis, Brustfellentzündung

   Rekurrierendes Fieber: Fieberschübe über mehrere Tage im Wechsel mit zwei bis fünfzehntägigen fieberfreien Intervallen, z. B. bei Malaria, Borreliose

   Undulierendes Fieber: Langsamer Fieberanstieg, hohes Fieber über einige Tage, Fieberrückgang, mehrere Tage fieberfreies Intervall, dann Wiederholung, z. B. bei Tumoren,  Carcinom

   Biphasisches Fieber: Fieber verläuft in zwei Phasen, erste Phase relativ kurz mit mäßig bis hohem Fieber, fieberfreies Intervall, dann Fieber wie in der ersten Phase, aber länger andauernd, z. B. bei Masern, Hepatitis

 
 
 
Temperaturen bei rektaler Messung:
 
36,3°C - 37,4°C Normaltemperatur
37,5°C - 38,0°C Subfebrile Temperatur
38,1°C - 38,5°C Leichtes Fieber
38,6°C - 39,0°C Mäßiges Fieber
39,1°C - 39,9°C Hohes Fieber
40,0°C - 42,0°C Sehr hohes Fieber
 
ab 42,6°C Tod
 
Unter 36,3°C Untertemperatur
Unter 29,0°C kritisch
Unter 25,0°C Tod
 
Das sind Richtwerte. Es gibt Menschen, deren "Normaltemperatur" abweicht. Das muss dann berücksichtigt werden. 
 

 

Pflege bei Fieber

Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Symptom.

 

1. Phase Fieberanstieg:

  • Geht oft einher mit Kältezittern oder Schüttelfrost
  • Zufuhr von Wärme
  • Wärmeverluste vermeiden
  • Patienten zudecken
  • Hilfsmittel wie Wärmflasche oder Heizkissen
  • Heiße Getränke reichen


Ende des Fieberanstiegs:

  • Wärmequellen entfernen
  • Nur leicht zudecken


2. Phase Fieberhöhe:

  • Regelmäßige RR- und Pulskontrolle
  • Beobachtung der Atmung
  • Bilanzierung
  • Flüssigkeitsverluste ausgleichen
  • Leicht verdauliche Kost
  • Beobachtung des Stuhlgangs (Obstipationsgefahr)
  • Ruhe, Zimmer eventuell abdunkeln
  • Prophylaxen durchführen
    • Dekubitusgefahr durch Immobilität und Schwitzen
    • Obstipationsgefahr durch Flüssigkeitsverlust und  Immobilität
    • Pneumoniegefahr durch Abwehrschwäche,  Flüssigkeitsverlust und  Immobilität
    • Thrombosegefahr durch Flüssigkeitsverlust und  Immobilität

Mäßiges Fieber sollte nicht gesenkt werden, weil die körpereigenen Abwehrmechanismen bei erhöhter Körpertemperatur besser funktionieren, außer bei Risikopatienten (Kleinkinder mit Neigung zu Fieberkrämpfen und Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz).

 

3. Phase Fieberabfall:

Intensive Vitalzeichenkontrolle

  • langsamer Temperaturabfall wird meist gut vertragen
  • rascher Temperaturabfall in wenigen Stunden ist gefährlich
    • massive Schweißausbrüche
    • extreme Kreislaufbelastung
      • Kollapsgefahr
      • Gefahr des Schocks

 

   Viel Ruhe (große Erschöpfungszustände)

   Bei starkem Schwitzen häufiges Wechseln der Bettwäsche

   Häufiges Wechseln der Kleidung

   Häufige "Frotteewäsche" (trockene Abreibung mit Frotteesocken oder Waschhandschuh)

   Prophylaxen sorgfältig durchführen

 

Wadenwickel (bei hohem Fieber)

Material:

  • Wasserfeste Unterlage
  • 1 Stecklaken
  • 2 Handtücher

Eine Schüssel mit kühlem Wasser (30°C bis 35°C, kein Eis: zu kaltes Wasser könnte dazu führen, dass die Hautgefäße eng gestellt werden und somit eine Wärmeabgabe be- oder verhindert wird; keine alkoholischen Zusätze: trocknet die Haut aus).

Durchführung:

  • Bettdecke bis zu den Knieen hochschlagen
  • Wasserfeste Unterlage und Stecklaken unter die Beine legen
  • Handtuchbreite anpassen: Knöchel bis Knie
  • Handtücher benässen und auswringen
  • Handtücher faltenfrei und locker, nicht zu locker, anbringen
  • Höchstens mit Laken zudecken, um Verdunstung zu ermöglichen
  • Wadenwickel nach 10 bis 15 Minuten erneuern, da er sich aufheizt
  • Vorgang maximal 3x bis 4xwiederholen
  • Temperatursenkung maximal um 1,0°C bis 1,5°C (Kreislaufbelastung)

Weitere Maßnahmen:

  • Kühle, nicht eiskalte Getränke
  • Tees, Säfte, Speisen mit fiebersenkender Wirkung
  • Fiebersenkende Heilkräuter: Zitrone, Zimmerknoblauch, Kamille, Englische Wasserminze, Pfefferminze, Einjähriger Beifuß, Buchenrinde, Orange, Lindenblüten, Melisse
  • Leichte Decke und Bekleidung
  • Raumtemperatur auf 17°C bis 19°C absenken
  • Zimmer gut lüften, Zugluft vermeiden

Fiebersenkende Körperwaschungen:

  • Wasser ca 10°C unter Körpertemperatur
  • Zusatz z. B. 1 l Pfefferminztee auf 5 l Wasser
  • gut ausgewrungenen Waschlappen
  • Waschen gegen den Haarwuchs
  • Feuchtigkeit kurz trocknen lassen
  • Mit leichter Decke oder Laken abdecken
  • Füße warm halten (Socken)
  • Vor Zugluft schützen

Wärmeentzug belastet den Kreislauf! 

RR-, Puls, Temperaturkontrollen, Beobachtung der Atmung und Haut

Hat der Klient Kreislaufstörungen oder beginnt zu frieren, sofort alle physikalischen Maßnahmen abbrechen !

 

Fiebermessen

Vor dem Messen 30 Minuten vorher keine Wärme- oder Kälteanwendungen.
Aufregung oder Anstrengung verfälschen die Messergebnisse.
Messungen am besten bei liegendem Klienten durchführen.
Funktion des Thermometers überprüfen.
Messergebnisse sofort dokumentieren.
Bei starken Abweichungen Arzt informieren.

Rektale Messung

  •  normal sind Werte von 36,5 - 37,4°C
  •  Schutzhülle
  •  Bauchlage oder Seitenlage
  •  Thermometer anfeuchten und unter drehender Bewegung einführen
  •  bei unruhigen oder verwirrten Menschen Thermometer festhalten
  •  Messzeit: etwa 3-5 Minuten
  •  kontraindiziert nach Operationen im rektalen Bereich oder starker Blutungsneigung

Axillare Messung

  •  normal sind Werte von 36,0 - 36,9°C
  •  unter die trockene Achselhöhle
  •  Arm dicht am Oberkörper halten
  •  ungeeignet, wenn Bewohner nicht kooperativ ist
  •  Messzeit etwa 8-10 Minuten
  •  liefert relativ ungenaue Werte

Orale Messung

  •  0,3 - 0,5°C unter der rektalen Temperatur, ca. 36,1 - 37,1°C
  •  Spezialthermometer
  •  Übergang vom Zungengrund zum Mundboden neben Zungenbündchen
  •  Lippen geschlossen halten
  •  vor der Messung 15 Minuten keine heißen oder eisgekühlten Getränke
  •  Spezialthermometer 7-9 Min., elektronisch weniger als 1 Minute

Messung im äußeren Gehörgang

  •  0,3 - 0,5°C unter der rektalen Temperatur, ca. 36,1 - 37,1°C
  •  Infrarotthermometer
  •  Einführung in den Gehörgang, Position der Spitze beeinflusst Messvorgang
  •  Ohrenschmalz kann zu ungenauen Messergebnissen führen
  •  wenige Sekunden

 

Alte Thermometer: zur Temperaturablesung waagerecht halten. Quecksilberfaden durch leichtes, ruckartiges Schütteln herunterschlagen.

 

Vorsicht!

Quecksilber ist ein hochgiftiges Schwermetall!

Es verdunstet bereits bei Raumtemperatur und

setzt dabei seine toxischen Dämpfe frei!

  Zerbricht ein Quecksilberthermometer:

  • Quecksilberkügelchen nicht anfassen
  • Mit einer Quecksilberzange aufnehmen (notfalls Handfeger, aber dann nach Gebrauch kontrollieren auf Rückstände oder gleich wegwerfen)
  • Quecksilberkügelchen  in ein luftdichtes Gefäß geben und zur Apotheke bringen
  • Nicht über normalen Müll oder Abwasser entsorgen


Seit dem 3.4.2009 ist der Vertrieb von neuen quecksilberhaltigen Fieberthermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräten innerhalb der EU verboten! Aber es gibt noch jede Menge Altgeräte.

 

 

 

Bewusstsein

 

Einflussfaktoren auf das Bewusstsein:

 

Der Bewusstseinzustand ergibt aus Wachheit, Reaktionsbereitschaft und Ansprechbarkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt .

Bei klarem Bewusstsein ist der Mensch ansprechbar und zeitlich, räumlich, situativ und zur eigenen Person orientiert. 

 

Funktionen des Bewusstseins

  • Denkfähigkeit
  • Merkfähigkeit
  • Orientierung
  • Reproduktionsfähigkeit
  • Vorstellungskraft
  • Handlungsvermögen
  • Reaktionsbereitschaft
  • Durchhaltevermögen
  • Aufmerksamkeit

 

Beobachtung des Bewusstseins

Die Beobachtung des Bewusstseins geschieht normalerweise beiläufig. Eine gezielte Beobachtung ist erforderlich nach schweren Unfällen, Akuterkrankungen (Gehirn, Nervensystem, Herz, Kreislauf), Intoxikationen (Drogen, Medikamente, Giftpflanzen, Gase, Dämpfe, etc), instabilen Diabetes mellitus.  

 

Einen ersten Überblick zur Bewusstseinslage verschafft man sich mit dem Post-Schema:

P     (persönliche Orientierung)     Weiß er seine Daten (Name, Geburtsdatum, Wohnort)?

O     (örtliche Orientierung)            Weiß er, wo er sich befindet?

S     (situative Orientierung)          Weiß er, was passiert ist und kann es mitteilen?

T     (temporale Orientierung)       Weiß er, wie spät es ist, kennt das aktuelle Datum?

 

Es werden zwei Formen der Bewusstseinsstörung unterschieden:

 

  • Qualitative Bewusstseinsstörungen (qualitativ = die Qualität betreffend)

Nicht das gesamte Bewusstsein ist gleichermaßen eingeschränkt, sondern Teilbereiche sind vermindert oder verändert. Bewusstseinsveränderungen können Bewusstseinstrübung, Bewusstseinseinengung oder Bewusstseinsverschiebung sein. Typisch für qualitative Bewusstseinsstörungen sind Krankheitsbilder aus dem neurologischen oder psychiatrischen Bereich (z.B. Psychosen)

 

 

  • Quantitative Bewusstseinsstörungen (quantitativ = mengenmäßig, zahlenmäßig)

Das Bewusstsein ist insgesamt beeinträchtigt. 

Vier Stufen der Bewusstseinsveränderung:

 

Benommenheit

verlangsamtes Denken und Handeln

Orientierungsfähigkeit eingeschränkt

reduzierte Auffassungsgabe / Aufmerksamkeit

leicht zu wecken

Somnolenz

(krankhafte Schläfrigkeit)

kaum ansprechbar, lallen

undifferenzierte Mimik

Orientierungsfähigkeit stark eingeschränkt

nur durch äußere Reize weckbar

Sopor (tiefer Schlaf, oft als Präkoma bezeichnet)

nicht ansprechbar

Muskelspannung herabgesetzt

desorientiert

nur durch starke Reize weckbar

Koma (tiefer Schlaf, Steigerung von Sopor)

keine Reaktion, auch nicht auf Schmerzreize

Reflexausfälle 

Spontanatmung kann beeinträchtigt sein

Wecken nicht möglich

 

Eine Möglichkeit zur Feststellung des Ausmaßes der Bewusstseinstörung ist die Glasgow-Koma-Skala. 

 

Glasgow-Koma-Skala

 

Verhalten Reaktion Punkte
Augen öffnen

spontan

auf Ansprechen

auf Schmerzreiz

keine Reaktion

4

3

2

1

Verbale Reaktion

orientiert

desorientiert

zusammenhanglose Worte

Lautäußerungen, stöhnen

keine Reaktion

5

4

3

2

1

Motorische Reaktion

folgt Aufforderungen

gezielte Schmerzabwehr

ungezielte Schmerzabwehr

Beugehaltung

Streckhaltung

keine Reaktion

6

5

4

3

2

1

Leichte Bewusstseinsstörung 14-15 Punkte

Mittlere Bewusstseinsstörung 9-13 Punkte

Schwere Bewusstseinsstörung 3-8 Punkte

Gesamt-punkte

 

Quantitative Bewusstseinsstörungen entstehen beispielsweise durch Krankheitsbilder wie Tumore, Apoplex, Verletzungen, engleister Diabetes mellitus oder Erkrankungen des Gehirns. 

 

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