Ausscheidung: Übersicht

Urin Inkontinenz Stuhl
Stuhlinkontinenz Inkontinenzmaterial Pflegerisches Eingreifen
Katheter Stoma Erbrechen

 

6. AEDL Ausscheiden können

5. ATL Ausscheiden

 

Dem Vorgang des Ausscheidens kann sich niemand entziehen. Es zählt zu den elementarsten Fähigkeiten und Bedürfnissen. Im engen Sinne versteht man unter Ausscheidung die Urin- und Stuhlausscheidung, es gehören aber auch Sputum, Erbrochenes, Sekretion von Schweiß und Menstruationsflüssigkeit dazu. Ist der natürliche Kreislauf von Aufnehmen und Abgeben gestört, entsteht Unbehagen, große Ängste und gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Das Ausscheiden ist lebensnotwendig. Die regelmäßige Beseitigung von Schad- und Schlackenstoffen hält die physiologischen Körperfunktionen aufrecht. Im Kleinkindalter lernt der Mensch die Ausscheidungsvorgänge, die als Reflexreaktionen abliefen, willkürlich zu beeinflussen.

 

Einflussfaktoren auf Ausscheiden:

 

Urin

Urin besteht zu 95% aus Wasser und harnpflichtige Substanzen. Das "Wasserlassen" bezeichnet man als Miktion. Die Urinmenge ist abhängig von der Flüssigkeitsaufnahme.


Normalwerte des Urins

  • Menge pro Tag 1,5-2 l
  • Menge pro Miktion 200-400 ml
  • Farbe hell-dunkelgelb, bernsteinfarben
  • Geruch unauffällig
  • Keine Beimengungen
  • Ph-Wert ca. 5,4

(PH = Maßeinheit für die Konzentration von Wasserstoff-Ionen in wässrigen Lösungen, die den Säure- bzw. Laugegehalt der Lösung bestimmt.)

 

Polyurie

  • (mehr als 2 l in 24 Stunden, hellgelb)
  • normal bei erhöhte Flüssigkeitszufuhr
  • krankhaft bei beispielsweise erhöhtem Blutzuckerspiegel, Medikamente (Diuretika)


Oligurie

  • (weniger als 500 ml in 24 Stunden, dunkelgelb-braun)
  • normal bei ungenügender Flüssigkeitszufuhr, erhöhte Flüssigkeitsverluste (Schwitzen)
  • krankhaft bei beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen, Erbrechen, Durchfall, Blutverlust


Anurie

  • (weniger als 50 ml in 24 Stunden)
  • bei akutem Nierenversagen, Schock, Vergiftungen, Nierenerkrankungen


Uringeruch

  • (normal bei längerem Stehenlassen - Geruch nach Ammoniak)
  • krankhaft: obstartig (Diabetes mellitus), übelriechend (Entzündung), faulig (Zellzerfall bei bösartigen Tumoren), Alkoholgeruch: (> 2 Promille, Urin-/Blutkonzentration gleich hoch)


Urinfarbe

  • (normal hellgelb)
  • krankhaft: beispielsweise flockig-trüb (Eiterbeimengung), rötlich (Blut), orange, rot oder blau (Medikamente), bräunlich (Lebererkrankungen)


Miktionsstörungen

  • (häufiger Harndrang u. Entleerung von kleinen Urinmengen)
  • beispielsweise bei Blasenentzündungen, Aufregung, Schwangerschaft


Schmerzhafte Miktion

  • beispielsweise bei Entzündung der Blasenschleimhaut, Harnröhrenverengung


Harnverhaltung

  • (unvollständige Entleerung)
  • beispielsweise bei mechanischen Hindernissen (Blasensteine), psychische Beeinträchtigung (Steckbecken)

 

 

Inkontinenz

Unvermögen, Urin willkürlich zurückzuhalten.

Im hohen Lebensalter lässt die Gewebsfestigkeit nach und es kann zu einer Schwächung des Schließmuskels kommen.

 

Relativinkontinenz

Husten, niesen, pressen 

 

Stressinkontinenz

Harnverlust unter Belastung

Schwächung des Schließmuskelsystems am Blasenauslass

Oft traumatisch (Operationen, Geburten, Verletzungen)

Im Alter degenrativ durch zunehmende Gewebsschwäche

 

Dranginkontinenz

Überaktivität des Blasenmuskels

Beispielsweise durch chronische Entzündungen, Tumore, Strahlenschäden

 

Reflexinkontinenz 

Funktion der Blase und Schließmuskel wird durch pathologische Reflexe gesteuert.

Tritt hauptsächlich bei der Querschnittlähmung auf. 

Harnabgang und Harndrang werden nicht wahrgenommen.

Komplikation: Resturin

 

Überlaufinkontinenz

Behinderung der Blasenentleerung durch ein Hindernis (z.B. Harnröhrenverengung)

„Tröpfeln“

 

Ungehemmte neuropathische Harnblase

Athrophie (Gewebsschwund) des Großhirns im Alter, Schlaganfall, Hirntumor

Kontrollfunktion des Großhirns über Blasenentleerung ist herabgesetzt

 

Extraurethrale Inkontinenz

Urinabgang nicht über die Harnröhre, sondern über pathologische Fistelgänge

Angeborene Missbildung, traumatisch (verletzungsbedingt), entzündungsbedingt

 

Inkontinenz bedeutet: Lebensverändernde Auswirkungen

 

 Ängste

  • Evtl. nicht rechtzeitig ein WC finden
  • Ein Tabu zu brechen
  • Dass es bekannt wird
  • Dass man fremde Hilfe benötigt
  • Vor Stigmatisierung (man sieht es einem an)
  • Auf Missgeschicke nicht vorbereitet (Wechselsachen)
  • Vor Risiken (husten, niesen)
  • Mobbing
  • Sex
  • Kein vollwertiger, funktionierender Mensch zu sein 

 

Psycho-soziale Aspekte

  • Schamgefühl
  • Verunsicherung
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Verringertes Selbstbewusstsein
  • Ablehnung des eigenen Körpers
  • Ekel vor dem eigenen Körper
  • Verlust an Körperwahrnehmung
  • Vereinsamung
  • Isolation
  • Abhängigkeit 

 

Lebensgestaltung

  • Vermeidung von öffentlichen Einrichtungen
  • Keine Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen
  • Fernbleiben von Familienfesten
  • Meidung von bestimmten Nahrungsmitteln
  • Reduzierte Flüssigkeitsaufnahme
  • Veränderter Kleidungsstil
  • Räumliche Gebundenheit
  • Keine längeren Fahrten
  • Nicht woanders schlafen
  • Benutzung von Duftstoffen (Deo, Parfüm) 

 

 

Stuhl

Der Stuhl ist der eingedickte und durch Bakterien zersetzte, unverdauliche Rest des Nahrungsbreis. Die bräunliche Farbe entsteht im Dickdarm durch Umwandlung des Gallenfarbstoff. Gärungs- und Fäulnisprodukte, die bei den bakteriellen Zersetzungsvorgängen im Dickdarm entstehen, sind für den unangenehmen Geruch verantwortlich.


Zusammensetzung

  • 70 - 75 % Wasser
  • 10 % Nahrungsreste ( z.B. Cellulose )
  • 8 % Darmbakterien
  • 7 % Epithelien
  • Schleim u. Salze

Farbe

  • mittelbraun

Farbveränderungen durch Nahrung

  • Spinat, Salat > grün
  • rote Beete > rot
  • Lakritz, Kohlekompretten, Rotwein > schwarz
  • nach größeren Mengen Fleisch > dunkelbraun
  • Milch, Eier > hellbraun bis hellgelb


Krankhafte Farbveränderungen

  • Teerstuhl > schwarz (Blut aus oberem Verdauungstrakt, Magen, Speiseröhre)
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) > grau glänzend
  • Fettresorptionsstörung > grau salbenartig
  • Fehlen von Gallensaft > lehmfarben


Konsistenz

  • geformte, homogene Masse
  • anpassungsfähig an das Darmvolumen


Krankhafte Veränderungen

  • Durchfall > flüssig bis wässrig
  • Obstipation > fest, knotig
  • Spasmen > schafkotartig  
  • Thyphus > erbsenbreiähnlich
  • Cholera > reiswasserähnlich
  • Ruhr > himbeergeleeartig
  • Stenosen (Verengung) im Rectum > bleistiftartig
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) > voluminös
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Colitis ulcerosa) > schleimig - blutig
  • Mekonium - Kindspech (1. Stuhl des Neugeborenen)


Menge

  • Normal: 125-300g in 24 Stunden
  • Abweichungen: Pankreatitis > meist Mengensteigerung


Geruch

  • Normal: eigentümlich aromatisch

Krankheitsbedingt:

  • säuerlich (mangelnder Abbau von Kohlenhydraten im oberen Dünndarmbereich)
  • faulig (Zersetzungsprozesse im Darm, Krebs)
  • Blutgeruch (Teerstuhl)


Beimengungen

  • Blut als Auflagerung ( Hämorrhoiden, Verletzungen am Anus )
  • Schleim ( als Auflagerung oder abgesondert )
  • Eiter
  • Bakterien ( Streptokokken, Salmonellen )
  • Fett
  • unverdaute Speisen


Parasiten: Würmer

  • Madenwürmer ( Oxyuren 4-12 mm )
  • Spulwürmer ( Askariden 15-20 mm )
  • Bandwürmer ( Taenien )


Häufigkeit Stuhlgang

  • 1 - 2 x tgl. oder alle 2- 3 Tage


Obstipation (Verstopfung)

  • weniger als dreimal wöchentlich Stuhlentleerung
  • Keine Krankheit, sondern ein Symptom für eine Erkrankung oder Fehlfunktion
  • Herzbeschwerden, Kopfschmerzen, Übelkeit, Blähungen, Druckgefühl, Leibschmerzen
  • Medikamente, Stoffwechselstörung, Schilddrüsenunterfunktion, Elektrolytstörung, Darmveränderungen, Hämorrhoiden, psychische Störungen, reduzierte Bauchpresse, Fehlernährung, Bewegungsmangel, psychische Erkrankungen, Missbrauch von Abführmitteln


Durchfall (Diarrhoe)

  • mehr als drei Stuhlentleerungen in 24 Stunden
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen, Kreislaufstörungen, Krämpfe
  • Wasser u. Elektrolytverlust, Exsikkose, Kachexie,
  • Aufregung, Stress, Medikamente, Infektionen, falsche Ernährung, entzündliche und tumoröse Darmerkrankungen


Verstopfung und Durchfall im Wechsel

  • Darmstörung, bösartige Darmerkrankung


Darmverschluss (Ileus)

  • Verstopfung oder Verlegung des Darmes oder Darmlähmung
  • Stuhlverhaltung, kolikartige Schmerzen, Kollaps, Erbrechen von Darminhalt

 

 

Stuhlinkontinenz

Unfähigkeit, Stuhlabgang oder Winde willkürlich zurückzuhalten. Mehrere Faktoren treffen zusammen. Fällt ein Mechanismus zur  Stuhlentleerungssteuerung aus, greifen  Kompensationsmechanismen. 
 
Häufigkeit
  • 1 bis 3 % der Bevölkerung
  • Alle Jahrgänge (Häufigkeit nimmt mit dem Alter stark zu)
 
Einteilung der Stuhlinkontinenz
  • Grad 1: Leichte Form (Unkontrollierter Abgang von Winden)
  • Grad 2: Mittlere Form (Unkontrollierter Abgang dünnflüssigen Stuhls)
  • Grad 3: Schwere Form (Unkontrollierter Abgang von geformten Stuhl)
 

Motorische Inkontinenz

Alle Arten von Muskelschädigungen

Z.B. Tumore, Beckenbodensenkung (häufige Alterserscheinung durch Bindegewebsschwäche und Abbau der Beckenmuskulatur), Überdehnung durch Obstipation

 

Neurogene Inkontinenz

Nervenschädigung

Z.B. Schlaganfall, Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose, Querschnittslähmung 

 

Sensorische Inkontinenz

Sensorenschädigung im Analkanal

Z.B. Haemorrhoiden-OP (sensible Schleimhaut des Darms wurde entfernt), Diarrhoe, Dickdarmentzündung (Colitis) 

 

Psychoorganische Inkontinenz

Psychische Belastung

Z.B. Rückfall in kleinkindliche Verhaltensweisen, Psychosen, Konflikte mit Betreuungspersonen 

 

Medikamentöse Inkontinenz

Verursacht durch Medikamente

Z.B. Psychopharmaka, Abführmittel in hoher Dosierung (z. B. Paraffin)

 

Pflegerisches Eingreifen

  • Toilettentraining
  • Beckenbodentraining

 

 

Beckenbodengymnastik gegen Blasenschwäche 

 

Inkontinenzmaterial

Der Umgang mit Inkontinenzmaterial erfordert Fingerspitzengefühl. Vielen Betroffenen ist es ausgesprochen peinlich, auf Inkontinenzmaterial angewiesen zu sein. Sind sie nicht in der Lage, das Inkontinenzmaterial alleine zu wechseln, bedeutet das Wechseln durch die Pflegekraft einen unvermeidbaren schweren Eingriff in die Intimsphäre und ist für viele Betroffene extrem schambesetzt. Daher sollte alles versucht werden, die Betroffenen nicht zusätzlich zu belasten.

 

Kinder werden gewickelt.

Kinder bekommen Windeln oder Pampers.

Erwachsene mit Inkontinenz werden NICHT gewickelt.

Erwachsene erhalten Inkontinenzmaterial (Slip, Einlage).

 

Geschlossene Systeme

Geschlossene Systeme sind in Pflegeeinrichtungen am häufigsten.

  • Vorteil: Großes Fassungsvermögen (Nachts!), Preis.
  • Nachteil: Inkontinenzmaterial trägt stark auf und viele Betroffene können es nicht alleine anbringen, starke Erwärmung und schwitzen, Bewegungseinschränkung, hohes Müllaufkommen.

 

Einlage

Einlagen gibt es in sehr unterschiedlichen Größen und können so dem Bedarf angepasst werden. In Verbindung mit einem geschlossenen System dürfen sie nicht benutzt werden.

  • Vorteil: Preis, unauffälliger beim Tragen und leichter handhabbar als geschlossene Systeme, leichter zu wechseln, relativ wenig Müll.
  • Nachteil: Verrutschen leicht. In Verbindung mit der Netzhose sitzen sie besser, Netzhosen können gewaschen und wiederbenutzt werden, aber die Netzhose komprimiert die Haut und schneidet oft ein. Viele Betroffene kommen nicht mit der Netzhose aufgrund des elastischen Materials klar.

 

Trainer

  • Vorteil: Besonders geeignet für unruhige und demente Betreute. Handhabung wie Unterhose, Betroffene kommen gut alleine damit zurecht, trägt weniger auf als das geschlossene System und verursacht weniger Müll als dieses, keine Bewegungseinschränkung.
  • Nachteil: Beim Wechsel muss allerdings der Unterkörper komplett ausgezogen werden. Ein weiteres Problem ist das Schwitzen, wenn auch weniger als beim geschlossenen System. Größter Nachteil ist der Preis.

 

 

Besonders wichtig ist die Hautpflege bei Inkontinenz:

  • Mazeration (die Haut quellt auf)
  • Veränderung des pH-Wertes
  • Infektionsgefahr (feucht-warme Milieu)
  • Intertrigogefahr
  • erhöhtes Decubitusrisiko 

Der Intimbereich muss sofort nach der Ausscheidung gereinigt und Inkontinenzmaterial, eventuell auch Wäsche, gewechselt werden. Die Hautpflege muss besonders gründlich unter Berücksichtigung der Prophylaxen durchgeführt werden.

 

Pflegerisches Eingreifen bei Inkontinenz

 

Toilettentraining

Das Toilettentraining kann verschiedene Ursachen nicht abstellen, es kann aber den optimalen Zeitpunkt für die Blasen- und Darmentleerung finden. Dadurch kann bestenfalls das Gefühl für die Blase und den Darm zurückgewonnen werden.

Für das Toilettentraining ist die Bereitschaft der Klienten ausschlaggebend. Nur wenn er freiwillig und konsequent mitarbeitet, kann das Toilettentraining wirkungsvoll sein.

Zunächst wird eine Inkontinenzanamnese, ein Kontinenzprofil erstellt (Expertenstandard "Förderung der Harnkontinenz in der Pflege") und der individuelle Ausscheidungsrhythmus beobachtet und dokumentiert. Sinnvoll ist ein Protokoll zu den Entleerungsgewohnheiten. Wird festgestellt, dass zu bestimmten Zeiten die Entleerung erfolgt, wird der Klient kurz vorher zur Toilette geführt. Das geschieht dann fortlaufend im Zwei-Stundenrhythmus. Jeder Toilettengang wird protokolliert.

Die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen werden systematisch verlängert mit dem Ziel, einen Toilettenrhytmus von etwa 4 Stunden zu erreichen. Der Rhythmus ist stark von der Trinkmenge und von der Schwere der Inkontinenz abhängig.

Die Miktion kann gefördert werden durch Wasser aufdrehen oder Klopfen oder Druck auf den Unterbauch. Zwischen den Miktionen sollte der Inkontinente ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen (mindestens 150 ml).   

Bei der Stuhlinkontinenz muss der Zeitpunkt der täglichen Darmentleerung beobachtet werden (Stuhltagebuch) und der Inkontinente immer zu dieser Zeit auf die Toilette geführt werden. Zu Beginn kann das Toilettentraining nach ärztlicher Verordnung mit Zäpfchen unterstützt werden, bis sich der Darm an die regelmäßige Stuhlentleerung gewöhnt hat. 

Es muss darauf geachtet werden, dass zum Toilettentraining der Inkontinente sich schnell ohne Mühe entkleiden kann, also keine geschlossenen Systeme oder Einlagen mit Netzhosen, sondern Trainer. 

 

Expertenstandard "Förderung der Harnkontinenz", 2007 

Beispiele für Assessmentbögen

Beckenbodengymnastik gegen Blasenschwäche 

 

Beckenbodentraining

Die Beckenbodenmuskulatur befindet sich unterhalb der Harnblase und ist willkürlich beeinflussbar. So lässt sich der Schließmuskel der Harnblase durch Training kräftigen. Dadurch können Formen der Inkontinenz vermieden oder gelindert werden. Die Anleitung zum Beckenbodentraining geschieht durch den Physiotherapeuten.

Kneifübungen: Während der Miktion den Urinstrahl oder Stuhlabgang durch Muskelanspannung für einige Sekunden unterbrechen, um ein Gefühl für die beanspruchten Muskeln zu bekommen. Wenn diese Übung beherrscht ist, sie als "Trockenübung" fortsetzen.

Bestimmte gymnastische Übungen unterstützen das Beckenbodentraining. 

 

 

Katheter

 

 
Hilfskräfte dürfen nicht katheterisieren. Das ist Behandlungspflege und eine ärztliche Tätigkeit, da es einen Eingriff in den Körper eines Menschen bedeutet.
Wer als Fachpflegehelfer katheterisiert macht sich strafbar.
 
Derartige Arbeitsaufträge müssen abgelehnt werden.
 

 

Bei vielen Patienten ist es notwendig, den Harn vorübergehend oder dauerhaft über eine künstliche Harnableitung nach außen zu leiten. 

 
Es werden zwei Arten der Katheterisierung unterschieden:
 
> transurethral (durch die Harnröhre in die Blase),
> suprapubisch (durch die Bauchdecke in die Blase)
 
Transurethrale Harnableitung
 
Bei der transurethralen Harnableitung wird ein Blasenkatheter durch die Harnröhre („trans-urethral") in die Blase vorgeschoben.
 
> hohes Infektionsrisiko für Nieren und Harnwege
> Hauptrisikofaktor ist Verschleppen pathogener Keime von der Harnröhrenmündung in die Blase
 
> Gründlichste Infektionsprophylaxe
> Aseptisches Vorgehen
 
Einmalkatheter
 
> Therapeutische Maßnahme bei Blasenentleerungsstörungen und Harnabflussbehinderungen unterhalb der Harnblase (Z.B. vergrößerte Prostata, Schwellungen nach Operationen am Unterleib)
> Gewinnung von Untersuchungsmaterial
 
Dauerkatheter
 
> vor großen, lang andauernden Operationen

> dafür spezielle Auffangsysteme wie Kondomurinale oder Inkontinenzmaterial

 
 
 
Harninkontinenz ist keine Indikation für das Legen eines transurethralen Dauerkatheters
 

 

Intermittierende Selbstkatheterisierung (ISK)
 
> Zumeist sehr junge Patienten mit traumatisch bedingten Querschnittssyndromen (können Harnausscheidung nicht mehr kontrollieren. weil das Rückenmark komplett oder teilweise ausgefallen ist, doch funktioniert ihr Sphinkter (Schließmuskel) ausreichend, so dass Urin in der Blase gesammelt werden kann.
 
Das Legen eines Katheters ist ein massiver Eingriff in die Intimsphäre eines Menschen. 
 
> Äußerst einfühlsames Verhalten
> Taktvolles Vorgehen
 
Das Tragen eines Verweilkatheters beeinträchtigt nachhaltig das physische und psychische Wohlbefinden des alten Menschen. Bei ihm führt eine solche Maßnahme zu einem starken Verlusterleben. Es ist ja nicht immer vorauszusehen, ob es zu einer Wiederherstellung der normalen Harnausscheidung kommt oder ob der Verweilkatheter zu einer Dauerbelastung wird.
 
 
 
Jedes Legen oder Wechsel eines Blasenkatheters ist grundsätzlich eine ärztliche Tätigkeit, die im Einzelfall delegiert werden kann, wobei die rechtliche Absicherung nicht hinreichend geklärt ist. Die Delegation auf Pflegende bedarf einer besonders strengen Indikation. Der Katheterismus gilt als operativer Eingriff und erfordert besonderes Fachwissen. Examinierte Fachpfleger können das Legen eines Katheters ablehnen, müssen es sogar ablehnen, wenn sie sich unsicher fühlen. Prinzipiell muss Patient, Bewohner oder Betreuer zustimmen.
 

 

Es fällt oft schwer, einem alten Menschen den Sinn und die Notwendigkeit eines Blasenkatheters klarzumachen. Seine auftretenden Ängste sind ernst zu nehmen und zu berücksichtigen.
 
Ballonkatheter
 
Heute sind alle Verweilkatheter mit Ballon ausgestattet, um eine Fixierung des Katheters am Körper zu vermeiden.
 
Über einen eingearbeiteten Nebenkanal kann ein knapp unterhalb der Katheterspitze liegender Ballon aufgepumpt werden. Hierzu wird das distal liegende Ventil mit dem stumpfen Spritzenkonus durchstoßen und steriles Aqua destillata eingegeben (der Katheter wird „geblockt"). Die Flüssigkeit muss steril sein, damit es bei einem evtl. Platzen des Ballons nicht zu einer Infektion der Harnblase kommt. Es darf keine Luft zum Aufblasen des Ballons verwendet werden, da Luft kompressibel ist und der Katheter dann zu leicht herausgezogen werden könnte. Vor der Entfernung des Katheters muss der Ballon vollständig entleert werden (entblockt). Dazu wird eine leere Spritze wieder mit dem Konus auf das Ventil gesetzt und die Flüssigkeit abgezogen. Zur Ableitung des Harns über einen Verweilkatheter dürfen nur geschlossene Urindrainagesysteme mit Rückflussventil verwendet werden.
 
Ablassen des Harns
 
> Der sterile, graduierte Auffangbeutel hat am Einfluss eine Tropfkammer
> Klemme am Ablassstutzen (einhändig zu bedienen)
> Über einen Hahn wird der Harn unten abgelassen. 
> Dabei ist es wichtig, dass es nicht zur Kontamination der Hände des Pflegepersonals kommt. 
> Die Pflegeperson trägt zum Ablassen des Harns flüssigkeitsdichte Einmalhandschuhe. 
> Das Auffanggefäß wird nicht mit der Ablassvorrichtung in Berührung gebracht und soll vorschriftsmäßig gereinigt werden.
 
> Ordnungsgemäß behandelte Ableitungssysteme können bis zu 14 Tagen belassen werden. 
> Muss das Ableitungssystem ausgewechselt werden, wird die Verbindung zwischen Katheter und Ableitung unter streng aseptischen Bedingungen gelöst: 
> Die Verbindungsstellen werden vor der Trennung mit einem Desinfektionsmittel desinfiziert und das neue System steril angeschlossen.
> Gründe für einen solchen Wechsel sind neben dem Katheterwechsel undichte Systeme, Ansammlung von Sediment im Beutel oder Geruchsbelästigungen.
 
Für mobile Katheterträger
 
> Ableitungssysteme mittels Taillengurt am Oberschenkel befestigt
> Systeme mit Unterschenkelbeinbeutel werden mittels Beinbeutelbändern fixiert
> Systeme müssen gegen Harnrückfluss gesichert sein 
 

Vorbereitung

 
Apotheken stellen ein Katheterset zusammen. Es ist ratsam, einen Ersatzkatheter dazu zu legen. 
 
Sollte man in einem Land der dritten Welt arbeiten und zu den Fachpflegern gehören, muss man zum Katheterisieren folgende Einmalartikel bereitlegen:
 
> Sterile Arbeitsfläche
> Wasserundurchlässige Schutzunterlage
> Lochtuch, geschlitzt
> Ein Paar sterile Handschuhe
> Anatomische Pinzette
> Anästhesierendes Gleitgel
> Ca. 30 ml Schleimhautdesinfektionsmittel, z.B. Betaisodona
> Sechs Kugeltupfer („Pflaumen")
> Auffangschale mit großer (ca. 750 ml) und kleiner Kammer oder zwei getrennte Schalen
> Spritze mit 10 ml Aqua destillata (für das Legen eines Dauerkatheters).
 
 
> Patienten informieren
> Intimsphäre des Patienten schützen: Sichtschutz anbringen. Mitpatienten aus dem Zimmer bitten
> Bett in rückenschonende Arbeitshöhe bringen
> Intimtoilette durchführen (lassen)
> Ausreichend große Fläche zum Ablegen der Materialien schaffen
> Katheterset aus (Plastik-)Umverpackung herausnehmen und auf der Arbeitsfläche abstellen
> Hände desinfizieren
> Sterile Arbeitsfläche schaffen: Katheterset-Verpackung an den Rändern vorsichtig auseinander falten und ausbreiten (Innenfläche ist steril)
> Steril eingepackte Materialien (z.B. Katheter) unter aseptischen Bedingungen öffnen und auf die sterile Arbeitsfläche fallen lassen
 
 
Suprapubische Blasendrainage
 
 
Operativer Eingriff!
 

 

 

Stoma / Colostoma (Anus praeter)

Stoma (griech. Mund, Mündung, Öffnung) bedeutet die chirurgisch hergestellte Öffnung eines Hohlorgans zur Körperoberfläche. 

  • Urostoma (künstlicher Blasenausgang)
  • Tracheostoma (künstlicher Ausgang der Luftröhre)
  • Colostoma oder Anus praeter (künstlicher Darmausgang)

 

Indikation: 

  • Carcinom (Krebs)
  • chronische Darmerkrankungen
  • Strahlenschäden

 

Colostoma (links vor der Operation, rechts nach der Operation)

Das Stoma wird 2-3 cm über dem Hautniveau angelegt. So kann der Darminhalt ohne Hautkontakt abgeleitet werden, da die Verdauungsenzyme die Haut reizen.

Der Darminhalt ist flüssig bis breiig, da die flüssigkeitsentziehende, eindickende Funktion des entfernten Dickdarms fehlt.

 

Foto: Stoma

 

Das Stoma bedeutet eine schwere psychische Belastung.

  • Angst vor sozialen Kontakten
  • Angst vor Darmgeräuschen
  • Angst vor Gerüchen
  • Angst vor defekten oder nicht richtig angelegten Auffangbeuteln

Dem Betroffenen sollte verdeutlicht werden, warum er das Stoma hat (z.B. ansonsten tödliche Erkrankung), um eine Akzeptanz zu gewinnen. Ein unbefangener Umgang der Pflegekraft mit dem Stoma  mildert die psychische Belastung.

 

Mögliche Einschränkungen

  • sportliche Aktivitäten sind möglich, außer das Heben schwerer Gewichte
  • Sexualität ist möglich, wenn beide Partner damit zurechtkommen 
  • eine Diät ist nicht erforderlich, allerdings sollten stark rohfaserhaltige Lebensmittel gemieden werden, da sie das Stoma verstopfen könnten.  

Systeme

Die Materialien zur Stomaversorgung müssen absolut abdichten, hautfreundlich sein, dürfen nicht knistern oder auftragen (unter der Kleidung), müssen haltbar sein und einfach zu handhaben (um eine Selbstversorgung zu ermöglichen). Es gibt Gürtel zur zusätzlichen Befestigung (beispielsweise sportliche Aktivitäten, schwimmen). Stomakappen können den Darm nach erfolgter Entleerung verschließen, sodass einige Stunden kein Beutel getragen werden muss. Aktivkohlefilter neutralisieren den Stuhlgeruch.

 

Zu beachten:

  • Reinigung nur mit Wasser
  • keine fetthaltigen Pflegesubstanzen (behindern das Haften des Hautschutzes)
  • Reinigung ausschließlich mit Einmalmaterial (Keimverschleppung)
  • Reinigung von außen nach innen (Keimverschleppung)
  • Haare im Bereich der Stomaumgebung entfernen
  • Ringgröße der Beutelöffnung genau ausmessen
  • genaue Beobachtung des Stomas
    • Stomablutung
    • Stomaverengung
    • Stomavorfall
    • Einziehung
    • Stomanekrose
    • Eiteransammlung
    • Vorfall der Bauchwand
  • genaue Beobachtung der Haut im Bereich des Stomas
    • Ekzeme
    • eitergefüllte schmerzende Bläschen
    • Pilzinfektion

 

 

Erbrechen

Der Vorgang des Erbrechens wird über das Brechzentrum im verlängerten Rückenmark gesteuert. Schutzreflex, zur Eliminierung schädlicher Stoffe. Ausgelöst wird Erbrechen durch physische oder psychische Reize.

 

Ablauf

  • Übelkeit, starke Speichelproduktion, Würgen
  • Verlangsamte Atmung
  • nach tiefem Einatmen reflektorische Schließung des Kehldeckels
  • nach oben gepresster Mageninhalt (starke Kontraktion Bauchmuskulatur,  Zwerchfell)
  • Während des Brechvorgangs meist Würgen und Tränenfluss

 

Erbrechen ist ein Symptom, keine Krankheit !

 

Mögliche Ursachen:

  • erhöhter Hirndruck (z.B. Hirntumor, Schädel-Hirntrauma)
  • toxische Stoffe (z.B. Bakteriengifte, Alkohol, Nahrungsmittelgifte, Medikamente)
  • Reizungen der Rachen- oder Magenschleimhaut (Berührung, Entzündung)
  • Passagebehinderung (z.B. Stenosen im Magenein- und ausgangsbereich, Ileus)
  • Erkrankungen im Bereich der Verdauungsorgane
  • Stoffwechselentgleisungen (z.B. Leberkoma, Harnvergiftung)
  • erhöhter Mageninnendruck (z.B. übermäßige Nahrungsaufnahme)
  • Infektionskrankheiten (z.B. Keuchhusten, Salmonellen)
  • hormonelle Erkrankungen (z.B. Schwangerschaft)
  • psychische Erregung (z.B. Ekel, große Angst)
  • starke Schmerzen
  • Gleichgewichtsorgan (z.B. Seekrankheit, Bewegungskrankheit)
  • Migräne (Reizung durch die Sinnesorgane)
 
 

Brechvorgang und Beschaffenheit des Erbrochenen weisen auf die Ursachen hin!

 

Beobachtungskriterien:

  • Menge
  • Zeitpunkt und Häufigkeit
  • Farbe
  • Geruch
  • Beimengungen

 

Menge

  • Erbrechen einer oder mehrerer Mahlzeiten (eine oder mehrere Nierenschalen)
 

Zeitpunkt und Häufigkeit

  • morgendliches Erbrechen (z.B. Alkoholgastritis, erste Schwangerschaftswochen)
  • nach jeder Nahrungsaufnahme (z.B. akute Magenschleimhautentzündung)
  • bei starker Aufregung
  • bei starken Schmerzen
  • Tageszeit, Nahrungsaufnahme unabhängig (z.B. Gehirn-, Organerkrankungen)
  • gleichzeitig mit Durchfall (z.B. Magen-, Darmerkrankungen)
 

Farbe

  • Rot (Bluterbrechen, z. B. Oesophagusvarizenblutung) 
  • Schwarz (z.B. Magenblutung)
  • Grünlichgelb (z.B. Galle) 
  • Braun (Koterbrechen, Ileus) 
  • Weißlichklar (Magensaft) 
 
Geruch
  • Säuerlich (Magensaft, Passagebehinderung Magen-, Darmbereich)
  • Faulig (z.B. Verdorbene Lebensmittel, Carcinom, Sterbende)
  • Kotgeruch (Ileus)
  • Alkohol, Medikamente 
  • Obstartig (Acetongeruch, z.B. Blutzuckerabfall, Exsikkose)
 
Beimengungen
  • Unverdaute Speisen (z.B. Aussackung der Speiseröhre, Magenstenose)
  • Speisereste mit Schaum(z.B. Verengung im Bereich des Magenausgang) 
  • Blut (Blutungen im Mageneingangs-, Speiseröhrenbereich) 
  • Schaum (Lungenödem, Austritt von Flüssigkeit in die Lungenbläschen=Alveolen)
  • Kot (Ileus)
  • Galle (z.B. Allergie, Gallensteinkolik, Erbrechen bei nüchternem Magen)
  • Parasiten (Würmer)
  • „Kaffeesatz“ (z.B. blutendes Magengeschwür, verschlucktes Blut)
  • Schleim (z.B. Chronischer Alkoholismus, Gastritis, Chronische Bronchitis) 
  • Fremdkörper (z.B. nicht gelöste Arzneimittel)
  • Eiter (z.B. Bronchen-, Lungenerkrankung)

 

Beobachtungen dokumentieren und mündliche Information !

 

 

 

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