Pflegetheorie: Übersicht

Pflegesysteme Pflegesysteme Aktivierung
Individualpflege Kennzeichen einer Individualpflege
Ganzheitliche Pflege Säulen der Ganzheitlichen Pflege

 

 

Pflegesysteme

Ein Pflegesystem beschreibt die Strukturierung der Arbeitabläufe. Die Pflegesysteme können patienten- oder aufgabenbezogen sein.


Funktionspflege

Einzelne Funktionen oder Arbeitsschritte werden von einer Pflegeperson bei allen Bewohnern durchgeführt ( z. B. eine Pflegeperson übernimmt die Behandlungspflege, eine Pflegeperson das Betten etc ).

Vorteile Nachteile
Kostengünstiger
Zeitersparnis durch Routine
Schnelle Einarbeitung in eine bestimmte Tätigkeit
Einsatz von Hilfskräften möglich
Ständiger Wechsel der Pflegeperson
Stupides Arbeiten
Routine
Wenig Gestaltungsspielraum
Hierarchie

 

Bezugspflege

oder bewohnerzentrierte Pflege: Eine Pflegeperson übernimmt möglichst alle Pflegemaßnahmen bei einem Bewohner. Allen bewohnerorientierten Systemen liegt ein ganzheitliches Menschenbild zugrunde. Es gibt unterschiedliche Arten der Bezugspflege nach den Auswahlkriterien:

Bereichspflege: Räumliche Gegebenheiten entscheiden über die Bezugspflegekraft
Zimmerpflege: Zimmer oder Appartment ist entscheidend
Gruppenpflege: Pflegerelevante Kriterien entscheiden über die Zuordnung der Pflegekraft wie Pflegestufe oder Erkrankung

 

Vorteile Nachteile
Intensiverer Kontakt zwischen Pflegenden und Bewohner
Veränderungen bei dem Bewohner können schneller erkannt werden
Abwechslungsreichere Tätigkeit
Pflege individueller gestaltbar
Eventuelle Abhängigkeit
Zeitintensiver
Kostenintensiver
Abhängigkeit und / oder Fixierung auf eine Pflegekraft

 

Pauschal kann man nicht das eine oder andere System ablehnen. Für eine Station im Krankenhaus mit extrem kurzen Verweilzeiten macht eventuell die Bezugspflege keinen Sinn und wäre unwirtschaftlich. Für ein Altenheim könnte eine Funktionspflege dagegen unwirtschaftlich werden, wenn die Bewohner in dem unpersönlicheren Klima schneller abbauen und die Bewohner- und Arbeitszufriedenheit massiv leiden. Viele Einrichtungen vermischen die Systeme. Dann werden bewohnerferne Tätigkeiten wie Bestellung von Medikamenten oder Material von einer Pflegeperson getätigt, die bewohnernahen Tätigkeiten orientieren sich an der Bezugspflege.

In Amerika wurde das System "Primary Nursing" entwickelt. Es ist eine Pflegekraft für die gesamte Pflege eines Bewohners rund um die Uhr verantwortlich. Da diese Pflegekraft aber nicht 24 Stunden hintereinander arbeiten kann, wird sie durch Assistenzpflegekräfte unterstützt. Die Assistenzpflegekräfte können allerdings die Pflege nicht mitbestimmen oder mitentscheiden. Dadurch entstehen auch wieder hierarchische Strukturen.

 

Pflegesysteme mit dem Schwerpunkt Aktivierung


Das vollständig kompensatorische System

Die Pflegeperson führt die Selbstpflege des Betreuten durch und schützt ihn, da er selber seinen erhöhten Selbstpflegebedarf nicht erfüllen kann. (Z.B. Hospiz)

 

Das teilweise kompensatorische System
Die Pflegeperson kompensiert Einschränkungen des Betreuten in der Selbstpflege und hilft auf Wunsch. (Z.B. Altenheim)


Das unterstützend-erziehende System

Pflegeperson und Betreuter regulieren die Ausübung der Selbstpflege und Selbstpflegefähigkeit. (Z. B. Behinderteneinrichtung)

 

Lernzielkontrolle: Pflegesysteme

 

Individualpflege

 

Alle sprechen von der Individualpflege oder Ganzheitlichen Pflege. Doch was ist damit eigentlich gemeint?

In der Individualpflege gibt es nicht „den Klienten“, sondern nur den Menschen. Und jeder Mensch ist einzigartig. Der Mensch wird nicht nur durch seine Gene bestimmt, sondern auch durch die Umwelt. Dazu kommt eine aktive Selbststeuerung und Selbstbestimmung. 

 

 

Das Wissen um die Einzigartigkeit eines Menschen bestimmt die Pflege. Der Patient ist beispielsweise nicht "Das Magengeschwür in Zimmer 17", sondern Herr Müller (der aufgrund seines Magenleidens im Zimmer 17 liegt). Herr Müller wird nicht unter dem Aspekt seiner Krankheit oder seines Defektes gesehen, sondern als Individuum. Damit steht nicht die rein medizinische Beseitigung des Defektes im Mittelpunkt. 

 

Kennzeichen einer Individualpflege

 
 

 

Pflegepersonal und Bewohner oder Betreute sollten auf gleicher Augenhöhe sein und als Team zusammenarbeiten. Das beinhaltet auch gegenseitige Verantwortung, Mitspracherecht und Mitbestimmung.

 

 

Im Pflegealltag bedeutet es:

 

· Bewohner fragen 
· Bewohner respektieren 
· Erfahrungen des Bewohners anerkennen 
· Heimvorschriften / Organisation im Interesse des Bewohners: 
> verändern 
> anpassen 
> notfalls missachten
· Erfüllbare Wünsche realisieren 
· Eigenheiten beachten 
· Individuelle Gewohnheiten beachten 
· Akzeptanz 
· Vertrauen 
· Zuwendung 
· Zuneigung 
· Geborgenheit 
· Unversehrtheit 
· Aufklärung 
· Motivation
· Nachvollziehbare Handlungen 
· Übersichtliche Strukturen
· Vertraute Umgebung
 
 

 

Die Akzeptanz und Förderung der regionalen, kulturellen und religiösen Besonderheiten und Wertvorstellungen vermitteln für den Einzelnen Geborgenheit und ein "Zuhause-Gefühl".

 

 

 


Ganzheitliche Pflege

Die Ganzheitliche Pflege sieht den Menschen als Einheit von Seele - Körper - Geist in ständiger Wechselbeziehung mit sich und der Umwelt. Seele (Gefühle, Erleben, Empfinden) , Geist (Denken, Vernunft, Verstand), Körper (biologisch: gesamter Leib des Lebewesen, Körperstrukturen, Körperfunktionen) und Umwelt (gesamte Umgebung des Menschen) können nur getrennt voneinander betrachtet werden, um den Menschen in seiner Gesamtheit besser verstehen zu können.

Früher verstand man unter Pflege: "Satt und sauber". Das heißt, es wurden nur die körperlichen Bedürfnisse erfasst.   

 

Nocheinmal zu Herrn Müller mit seinem Magengeschwür aus Zimmer 17. Herr Müller ist arbeitslos, seine Frau hat sich von ihm getrennt, er fühlt sich überflüssig, vernachlässigt sich, sitzt zu Hause fast nur noch vor dem Fernseher, raucht Kette, trinkt zuviel Alkohol, ernährt sich ungesund und isst sehr unregelmäßig. Seine Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz mit 61 Jahren sind denkbar schlecht.

  • Das Magengeschwür ist auskuriert. "Satt und sauber" ist in seinem Fall bestimmt angebracht. Aber reicht das? Bleibt er auch "satt und sauber" nach seiner Entlassung?  
  • Wie lange wird es bei seinem Lebensstil dauern, bis er ein neues Magengeschwür hat? 
  • Herr Müller hatte nie mit seinem Magen Probleme, bis er seine Arbeit verlor. Woher weiß man das?
  • Herr Müller sieht in seinem Dasein keinen Sinn mehr. Er fragt sich, mit was er die viele Zeit totschlagen soll. 

Bei Herrn Müller wird also klar: Nur die Sicht auf seinen Magen wird ihn langfristig nicht gesund machen. Seine körperlichen Bedürfnisse während des Krankenhausaufenthaltes zu erfüllen reicht auch nicht, wenn ein Pflegeziel auf Dauer erreicht werden soll. Er benötigt eine Ganzheitliche Pflege, wenn er die Chance bekommen soll, wirklich gesund zu werden.

 

Die Säulen der Ganzheitlichen Pflege

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